Anfrage →SOS anrufen
Sicherungsposten mit Gasmessgerät kniet an einem offenen Mannloch, daneben Rettungsdreibein und gelber Lüftungsschlauch
Sicherheit · Enge Räume

Enge Räumeund Tanks.

Welche Messwerte vor dem Einstieg gelten, warum nie mit Sauerstoff gelüftet werden darf, was ein Sicherungsposten tut und was die neuen IMO-Empfehlungen von 2025 ändern. Für Tanks, Doppelböden und andere Schiffsräume.

Stand 4. Oktober 20267 Min. LesezeitRedaktion Nauticon Systems
Bild: Illustration

Tanks, Doppelböden, Kofferdämme, Kettenkästen: Auf jedem Schiff gibt es Räume, die nicht zum Aufenthalt gebaut sind. Wer dort arbeitet, braucht mehr als eine Lampe. Es geht um die Luft im Raum, um die Erlaubnis zum Einstieg und um jemanden draußen, der im Notfall Hilfe holt.

Dieser Beitrag fasst zusammen, was die deutsche DGUV Regel 113-004 und die IMO-Empfehlungen von 2025 verlangen. Er richtet sich an Werften, Reedereien und Betriebe, die Arbeiten in engen Räumen beauftragen.

01Was ist ein enger Raum?

Ein Bereich, der überwiegend von festen Wänden umgeben ist und in dem wegen der Enge, zu geringem Luftaustausch oder der Stoffe darin besondere Gefahren entstehen können. So definiert es die DGUV Regel 113-004, und sie nennt als Beispiel ausdrücklich auch Schiffsräume1. Für Schweißarbeiten hat die TRGS 528 eine eigene, ähnliche Definition: Räume, die auch mit technischer Lüftung nur schlecht belüftbar sind3.

Die IMO beschreibt einen geschlossenen Raum („enclosed space“) als Raum, in dem eine gefährliche Atmosphäre oder Sauerstoffmangel herrschen kann und der mindestens eines dieser Merkmale hat: wenige Öffnungen zum Ein- und Ausstieg, unzureichende Lüftung oder nicht für den dauernden Aufenthalt gebaut4. Neu ist das schiffsspezifische Verzeichnis, das alle geschlossenen Räume mit ihren verbundenen und angrenzenden Räumen und ihren Gefahren auflistet4.

02Welche Regeln gelten?

In Deutschland ist die DGUV Regel 113-004 von 2019 die Grundlage für Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen1. Für das Schweißen kommt die TRGS 528 hinzu3.

An Bord gelten die IMO-Empfehlungen zum Betreten geschlossener Räume. Sie wurden 2025 neu gefasst: Die Resolution MSC.581(110) vom 27. Juni 2025 ersetzt die alte A.1050(27) aus dem Jahr 20114. Die alte Fassung wurde Ende 2025 widerrufen9. Die IMO-Empfehlungen sind Empfehlungen, kein zwingendes Recht. Verbindlich sind zwei SOLAS-Regeln:

  • SOLAS XI-1/7: Seit 1. Juli 2016 muss jedes Schiff, für das Kapitel I gilt, tragbare Messgeräte für Sauerstoff, brennbare Gase und Dämpfe, Schwefelwasserstoff und Kohlenmonoxid mitführen und kalibrieren können6.
  • SOLAS III/19: Seit 1. Januar 2015 üben Besatzungsmitglieder mit entsprechenden Aufgaben mindestens alle zwei Monate das Betreten geschlossener Räume und die Rettung daraus7.

03Wer gibt den Einstieg frei?

Nach DGUV Regel 113-004 stellt die verantwortliche Person vor Beginn der Arbeiten einen Erlaubnisschein aus, in dem die Schutzmaßnahmen festgelegt sind1.

An Bord darf nach den IMO-Empfehlungen niemand einen geschlossenen Raum öffnen oder betreten, ohne dass der Kapitän oder eine von ihm benannte verantwortliche Person das erlaubt hat. Die Gültigkeit der Erlaubnis richtet sich nach der Gefährdungsbeurteilung und soll nie länger als acht Stunden sein4. Je nach Sicherheitsmanagementsystem der Reederei kommen weitere Erlaubnisse hinzu, etwa für das Abschalten von Energie oder für Heißarbeiten4.

01Gefährdung beurteilenWas war im Raum, was kommt hinein (Schweißen,Farbe, Reiniger)? Zugang und Rettungsweg?02Lüftenvor Beginn und während der Arbeit,niemals mit Sauerstoff03Freimessendurch eine fachkundige Person, Werte dokumentieren,danach in regelmäßigen Abständen weiter messen04ErlaubnisscheinSchutzmaßnahmen festlegen; an Bord stellt ihn derKapitän oder eine benannte Person aus, höchstens 8 h05Sicherungspostenständige Verbindung, holt Hilfe, kennt die Rettung;steigt nicht ein, bevor Hilfe da ist
Vereinfachte Reihenfolge nach DGUV Regel 113-004 (2019) und IMO-Resolution MSC.581(110) (2025). Maßgeblich sind Gefährdungsbeurteilung, Erlaubnisschein und an Bord das Sicherheitsmanagementsystem der Reederei.

04Welche Messwerte gelten beim Freimessen?

Die IMO-Empfehlungen von 2025 nennen vier Werte. Nach einer passenden Gefährdungsbeurteilung sollen vor dem Einstieg stabile Messwerte für alle Punkte vorliegen4:

Messgröße Wert nach MSC.581(110)
Sauerstoff 20,9 Vol.-%
Kohlendioxid unter 0,5 Vol.-% (5.000 ppm)
brennbare Gase und Dämpfe unter 1 % der unteren Explosionsgrenze, wo die Beurteilung brennbare Stoffe erwarten lässt
giftige Gase und Dämpfe unter 50 % des Arbeitsplatzgrenzwerts

Zwei Änderungen gegenüber der alten Fassung fallen auf: Der Sauerstoffwert liegt jetzt bei 20,9 statt 21 Prozent, und Kohlendioxid wird ausdrücklich gemessen4,5. Gemessen wird vor dem Einstieg und danach in regelmäßigen Abständen, bis die Arbeit beendet ist4.

Die DGUV Regel 113-004 nimmt ebenfalls 20,9 % als Bezugswert: Darunter liegt Sauerstoffmangel vor, darüber Sauerstoffüberschuss. Bei weniger als 17 Vol.-% Sauerstoff darf nur mit Isoliergeräten gearbeitet werden1. Freimessen dürfen nur Personen mit der nötigen Fachkunde; wie sie ausgewählt und ausgebildet werden, regelt der DGUV Grundsatz 313-0021,2. Die Messungen und ihre Ergebnisse werden dokumentiert1.

05Warum wird nie mit Sauerstoff gelüftet?

Weil Sauerstoff Kleidung in Brand setzen kann. Die DGUV Regel 113-004 verbietet es ausdrücklich: Sauerstoff und mit Sauerstoff angereicherte Luft dürfen zur Belüftung nicht verwendet werden1.

Die DGUV Information zum Gasschweißen erklärt, warum. Schon eine geringe Steigerung des Sauerstoffgehalts von normal 21 auf zum Beispiel 25 Volumenprozent bewirkt, dass mit Sauerstoff angereicherte Arbeitskleidung, selbst schwer entflammbare Schutzkleidung, beim Auftreffen eines Funkens sofort in Flammen aufgeht8. Die größte Gefahr beim Schweißen und Schneiden in engen Räumen sei ein unbemerkter Sauerstoffaustritt8. Sauerstoff darf deshalb nie zur Luftverbesserung, zum Abblasen der Kleidung oder zum Kühlen benutzt werden8.

Gelüftet wird mit Luft, vor Beginn und während der Arbeit, so dass keine gefährlichen Konzentrationen, keine explosionsfähigen Gemische und kein Sauerstoffmangel entstehen1. Auch die IMO verlangt, die Lüftung aufrechtzuerhalten, solange sich jemand im Raum befindet4.

06Was macht der Sicherungsposten?

Er bleibt draußen und hält Verbindung. Nach DGUV Regel 113-004 ist der Sicherungsposten eine Person, die mit den Arbeitenden im engen Raum ständig Verbindung hält und gegebenenfalls Rettungsmaßnahmen durchführt oder einleitet. Er muss jederzeit Hilfe holen können und die festgelegten Notfall- und Rettungsmaßnahmen kennen1.

Die Regel sieht mindestens einen Sicherungsposten vor. Sie kennt eine Ausnahme, wenn keine Gefährdung durch Stoffe oder Einrichtungen besteht und die Arbeitenden den Raum ohne fremde Hilfe verlassen können1. Bei Nauticon setzen wir in engen Räumen immer einen Sicherungsposten ein.

Für den Notfall sind die IMO-Empfehlungen deutlich: Der Posten am Einstieg soll unter keinen Umständen hineinsteigen, bevor Hilfe eingetroffen ist und die Lage beurteilt wurde4. Die Regel soll verhindern, dass aus einem Notfall zwei werden.

07Was gilt beim Schweißen im engen Raum?

Zusätzlich zur Erlaubnis für den Einstieg braucht es in der Regel eine Freigabe für Heißarbeiten. Drei Punkte sind dabei besonders wichtig:

  • Keine Gasflaschen hinein. Druckgasflaschen dürfen nicht in Behälter und enge Räume mitgenommen werden; ausgenommen sind Feuerlöscher und Atemschutzgeräte1.
  • Absaugung an der Entstehungsstelle. Nach TRGS 528 wird Schweißrauch vorrangig dort abgesaugt, wo er entsteht3.
  • Lüftung und Messung laufen weiter. Schweißen verändert die Atmosphäre. Deshalb wird während der Arbeit weiter gelüftet und in Abständen gemessen1,4.

08Wie arbeiten wir bei Nauticon in engen Räumen?

Enge Räume betreten wir nur mit Absaugung und Sicherungsposten. Vor dem Einsatz klären wir mit dem Auftraggeber:

  1. Wer stellt den Erlaubnisschein aus, an Bord nach welchem Verfahren der Reederei?
  2. Wer misst frei, mit welchem Gerät, und wie oft wird nachgemessen?
  3. Wie wird gelüftet, und wo steht der Lüfter, damit er keine Abgase ansaugt?
  4. Wie sieht die Rettung aus: Zugang, Dreibein, Atemschutz, Notruf?
  5. Wo stehen Gasflaschen und Schweißgeräte, und wie werden Schläuche geführt?

09Fazit

In engen Räumen entscheidet die Vorbereitung. Lüften mit Luft, freimessen durch eine fachkundige Person, Erlaubnis schriftlich, ein Sicherungsposten am Einstieg, der im Notfall Hilfe holt, statt unvorbereitet hinterherzusteigen. Wer noch mit 21 % Sauerstoff aus der alten IMO-Resolution arbeitet, sollte seine Checklisten auf die Fassung von 2025 umstellen.

Wichtig

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Regeln. Er ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung, keinen Erlaubnisschein und an Bord nicht die Verfahren des Sicherheitsmanagementsystems der Reederei.

Über diesen BeitragRedaktion Nauticon Systems

Geschrieben auf Grundlage der unten genannten Regelwerke und Quellen. Wo eine Regel nur für eine Klassifikationsgesellschaft gilt, steht das im Text. Fachlicher Ansprechpartner bei Nauticon: Şükrü Öztürk, Technischer Manager und Schweißingenieur (IWE). info@nauticon-systems.com

Quellen

  1. DGUV Regel 113-004 „Behälter, Silos und enge Räume, Teil 1: Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen“, Ausgabe Februar 2019. publikationen.dguv.de ↗
  2. DGUV Grundsatz 313-002 „Auswahl, Ausbildung und Beauftragung von Fachkundigen zum Freimessen nach DGUV Regel 113-004“, Ausgabe 06/2022. publikationen.dguv.de ↗
  3. TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“, Ausgabe Februar 2020 (Abdruck auf umwelt-online.de). umwelt-online.de ↗
  4. IMO Resolution MSC.581(110): Revised Recommendations for Entering Enclosed Spaces aboard Ships, angenommen am 27. Juni 2025. wwwcdn.imo.org ↗
  5. IMO Resolution A.1050(27), 2011 (inzwischen widerrufen, zum Vergleich der alten Werte). wwwcdn.imo.org ↗
  6. IMO Resolution MSC.380(94): SOLAS-Regel XI-1/7, Messgeräte für die Atmosphäre, in Kraft seit 1. Juli 2016. wwwcdn.imo.org ↗
  7. IMO Resolution MSC.350(92): SOLAS-Regel III/19, Übungen zum Betreten geschlossener Räume, in Kraft seit 1. Januar 2015. wwwcdn.imo.org ↗
  8. DGUV Information 209-011 „Gasschweißen“, Ausgabe Oktober 2018 (bereitgestellt von der BGHM). bghm.de ↗
  9. Russian Maritime Register of Shipping: Bericht zur 34. IMO-Versammlung 2025 (Widerruf von A.1050(27)). rs-class.org ↗

Stand: 4. Oktober 2026 · Alle Links zuletzt aufgerufen am 4. Oktober 2026. Regelwerke ändern sich: Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung, die für Ihr Schiff oder Ihren Betrieb gilt.

Arbeiten im Tank oder Doppelboden? Wir kommen vorbereitet.

Enge Räume betreten wir nur mit Absaugung und Sicherungsposten. Die Freigaben stimmen wir vorher mit Ihnen ab.

Weiterlesen

Mehr aus der Praxis.

Kontakt

Riss im Stahl? Melden Sie sich.

Telefon+49 176 83179501Direkt anrufen →
Ihr Ansprechpartner
Şükrü ÖztürkTechnischer Manager · Internationaler Schweißfachingenieur (IWE)info@nauticon-systems.com

Nauticon Systems GmbH · Seelandstraße 1 · 23569 Lübeck

Anfrage sendenAntwort per Rückruf
Dringlichkeit
bis 5 Fotos, je 8 MB

Wir verwenden Ihre Angaben nur, um die Anfrage zu bearbeiten. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Lieber anrufen

Bilder und Filme: KI-Visualisierungen