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Schweißer schneidet an Deck mit dem Brenner, Funken fallen auf eine Schutzdecke, daneben steht eine Brandwache mit Feuerlöscher
Sicherheit · Heißarbeiten

Schweiß­erlaubnisund Brandwache.

Wann eine Schweißerlaubnis nötig ist, was Brandposten und Brandwache unterscheidet, wie weit Funken fliegen und welche Regeln an Land und an Bord heute gelten. Mit dem Hinweis auf eine Regel, die viele noch zitieren, obwohl sie zurückgezogen ist.

Stand 4. Oktober 20266 Min. LesezeitRedaktion Nauticon Systems
Bild: Illustration

Schweißen, Brennschneiden und Trennschleifen sind typische Heißarbeiten in Werft und Betrieb. Gefährlich ist dabei nicht nur der Moment selbst. Die DGUV warnt, dass sich Brände noch viele Stunden nach dem Ende einer Schweißarbeit entwickeln können1. Deshalb gibt es Schweißerlaubnis, Brandposten und Brandwache.

Dieser Beitrag erklärt, was die aktuellen Regeln dazu sagen, an Land und an Bord. Er richtet sich an Betriebsleiter, Projektleiter und Sicherheitsfachkräfte, die Heißarbeiten beauftragen oder freigeben.

01Was zählt als Heißarbeit?

Grob gesagt: Arbeiten mit Funken, Flammen oder großer Hitze. Die VdS-Richtlinien nennen als feuergefährliche Arbeiten zum Beispiel Löten, Heißkleben, Schweißen, Brennschneiden, Trennschleifen und verwandte Verfahren4.

An Bord ist der Begriff ähnlich weit gefasst. Liberia zum Beispiel definiert in Anlehnung an die IMO-Grundsätze „hot work“ als jede Arbeit mit Lichtbogen- oder Gasschweißgeräten, Schneidbrennern oder anderen offenen Flammen sowie mit erhitzenden oder funkenerzeugenden Werkzeugen, egal wo an Bord8.

02Welche Regel gilt in Deutschland heute?

Viele Webseiten und selbst die DGUV Regel 113-004 verweisen noch auf Kapitel 2.26 der DGUV Regel 100-500 „Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren“. Dieses Kapitel wurde mit der Fassung vom November 2024 zurückgezogen2. Einen Nachfolger nennt die DGUV dort nicht.

Aktuelle Bezugsquellen sind vor allem:

  • DGUV Information 209-010 „Lichtbogenschweißen“ (2017) mit den Regeln zu Schweißerlaubnis, Brandposten und Brandwache1
  • TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“ in der Ausgabe Februar 2020, für Schweißrauch und Schutzmaßnahmen6
  • VdS 2008 und VdS 2047, die Brandschutz-Richtlinien und Sicherheitsvorschriften der Versicherer4,5

Die VdS-Texte sind nach eigener Aussage unverbindlich. Die Sicherheitsvorschriften VdS 2047 können aber im Versicherungsvertrag vereinbart sein4,5. Es lohnt sich, das vor dem Einsatz zu klären.

03Wann braucht man eine Schweißerlaubnis?

Wenn außerhalb eines eingerichteten Schweißbereichs Brand- und Explosionsgefahr besteht. Dann muss nach DGUV Information 209-010 ein Erlaubnisschein für Schweißen und verwandte Verfahren erstellt werden, die Schweißerlaubnis1. Die Schutzmaßnahmen werden zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer abgestimmt und darin festgehalten1.

Auch die VdS-Texte der Versicherer sehen eine schriftliche Genehmigung des auftraggebenden Unternehmers oder eines Verantwortlichen vor4,5. Als Vordruck verweist die VdS auf ihr Formular VdS 2036 „Erlaubnisscheine für feuergefährliche Arbeiten“4.

04Was gehört in die Schweißerlaubnis?

Die Maßnahmen, die eine Brandentstehung verhindern. Die zurückgezogene DGUV-Regel hat sie früher so aufgezählt3. Als Gliederung taugt die Liste weiterhin:

  1. verbliebene brennbare Stoffe abdecken oder anders schützen
  2. Öffnungen zu benachbarten Bereichen abdichten
  3. geeignete Feuerlöscheinrichtungen bereitstellen
  4. während der Arbeit durch einen Brandposten überwachen
  5. danach wiederholt durch eine Brandwache kontrollieren

DGUV Information 209-010 nennt als Löscheinrichtungen je nach Brandlast zum Beispiel wassergefüllte Eimer, Feuerlöscher oder einen angeschlossenen Wasserschlauch1.

Wie weit der gefährdete Bereich reicht, zeigen Richtwerte aus der gleichen DGUV Information: Beim Schweißen fliegen Funken waagerecht bis 7,5 m, beim thermischen Schneiden bis 10 m, nach oben bis 4 m und nach unten bis 20 m1.

Schneiden bis 10 mSchweißen bis 7,5 mnach oben bis 4 mnach unten bis 20 mArbeitsstelledarunterliegende Ebene
Richtwerte für den Funkenflug-Gefährdungsbereich nach DGUV Information 209-010 „Lichtbogenschweißen“ (2017), Tabelle 5. Nicht maßstäblich, nach unten verkürzt. Die tatsächliche Reichweite hängt von Verfahren, Höhe und Umgebung ab.

05Brandposten und Brandwache: Was ist der Unterschied?

Der Zeitpunkt. Der Brandposten beobachtet während der schweißtechnischen Arbeiten den brandgefährdeten Bereich. Die Brandwache kontrolliert im Anschluss über eine zuvor festgelegte Dauer den Arbeitsbereich und seine Umgebung auf Glimmnester1.

Wie lange die Brandwache dauert, legt die DGUV nicht in Stunden fest. Die VdS-Richtlinien schreiben, die Kontrolle könne in kurzen Abständen für mehrere Stunden erforderlich sein, bis mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist, dass ein Brand entstehen kann. Geprüft wird auf Brandgeruch, verdächtige Erwärmung, Glimmstellen und Brandnester, auch in benachbarten Räumen4.

Häufiger Irrtum

In den Regeln von DGUV und VdS steht keine feste Dauer wie „zwei Stunden Brandwache“. Die Dauer wird in der Schweißerlaubnis festgelegt und richtet sich nach Arbeit, Umgebung und Vorgaben des Versicherers.

06Was gilt an Bord?

Dort läuft die Erlaubnis über das Arbeitsfreigabe-System des Schiffs. Die IMO hat 2003 „Principles of Hot Work on Board All Types of Ships“ veröffentlicht, MSC/Circ.1084. Flaggenstaaten wie die Marshallinseln und Liberia sehen dafür ein Permit-to-Work-System vor7,8.

Die Erlaubnisse gehören zum Sicherheitsmanagementsystem der Reederei. Die IMO nennt in ihren Empfehlungen für das Betreten geschlossener Räume die Heißarbeitserlaubnis ausdrücklich als mögliche Zusatzerlaubnis aus diesem System9. Für Öltanker und Terminals ist ISGOTT der maßgebliche Leitfaden; in der 6. Auflage von 2020 wurden die Abschnitte zu Heißarbeiten grundlegend überarbeitet10.

Für Fremdfirmen an Bord empfiehlt der P&I-Versicherer Britannia, dass Fremdpersonal bei Arbeiten wie dem Betreten enger Räume, Heißarbeiten und Arbeiten in der Höhe den Verfahren der Reederei folgt11.

Auf Tankern sind die Anforderungen besonders streng. Liberia zum Beispiel verlangt eine Gasfreiheitsbescheinigung eines qualifizierten Chemikers mit Ort und Gültigkeit und den sofortigen Abbruch, wenn der Gasgehalt 1 % der unteren Explosionsgrenze erreicht8.

07Was ist mit dem Schweißrauch?

Er gehört zur Planung jeder Heißarbeit. Die TRGS 528 legt eine Rangfolge der Schutzmaßnahmen fest: zuerst gefahrstoffarme Verfahren und Werkstoffe prüfen, dann lüftungstechnische und bauliche Maßnahmen, dann organisatorische und hygienische, zuletzt persönliche Schutzausrüstung6. Abgesaugt wird vorrangig dort, wo der Rauch entsteht: Je näher an der Entstehungsstelle, desto besser die Erfassung6.

Das ist wichtig, weil Schweißrauch krebserzeugende Bestandteile enthalten kann. Chrom(VI)-Verbindungen und Nickeloxid sind nach der CLP-Verordnung als krebserzeugend der Kategorie 1A oder 1B eingestuft6.

08Wie planen wir Heißarbeiten bei Nauticon?

Heißarbeit gibt es bei uns nur mit Brandwache. Bevor wir beginnen, klären wir mit dem Auftraggeber:

  1. Wer stellt die Schweißerlaubnis aus, und welche Maßnahmen stehen darin?
  2. Was liegt im Gefährdungsbereich, auch auf der anderen Seite von Wänden und Decks und eine Ebene tiefer?
  3. Welche Löschmittel stehen bereit, und wer ist Brandposten?
  4. Wie lange dauert die Brandwache, und wer übernimmt sie?
  5. Wie wird abgesaugt? Wir bringen eigene Schweißgeräte, Werkzeuge und Absaugung mit.
  6. An Bord: Welche Erlaubnisse verlangt das Sicherheitsmanagementsystem der Reederei?

Unsere Mannschaft arbeitet in voller Schutzausrüstung und mit SCC/SCP-Nachweis.

09Fazit

Die Schweißerlaubnis ist kein Formular für die Ablage, sondern der Plan für die nächsten Stunden. Wer sie mit dem Dienstleister vorher bespricht, Brandposten und Brandwache benennt und die Dauer der Kontrolle festlegt, hat die wichtigsten Punkte geklärt. Und wer noch die DGUV Regel 100-500 Kapitel 2.26 zitiert, sollte seine Unterlagen aktualisieren.

Wichtig

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Regeln. Er ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung, keine Schweißerlaubnis und nicht die Vorgaben Ihres Betriebs, Ihres Versicherers oder an Bord des Sicherheitsmanagementsystems der Reederei.

Über diesen BeitragRedaktion Nauticon Systems

Geschrieben auf Grundlage der unten genannten Regelwerke und Quellen. Wo eine Regel nur für eine Klassifikationsgesellschaft gilt, steht das im Text. Fachlicher Ansprechpartner bei Nauticon: Şükrü Öztürk, Technischer Manager und Schweißingenieur (IWE). info@nauticon-systems.com

Quellen

  1. DGUV Information 209-010 „Lichtbogenschweißen“, Ausgabe März 2017, Abschnitte 8.1 und 8.2, Tabelle 5. publikationen.dguv.de ↗
  2. DGUV Regel 100-500 „Betreiben von Arbeitsmitteln“, aktualisierte Fassung November 2024 (Rückzug von Kapitel 2.26). publikationen.dguv.de ↗
  3. DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.26, Abschnitt 3.8 (historischer Text, Wiedergabe BGN-Branchenwissen). vorschriften.bgn-branchenwissen.de ↗
  4. VdS 2008: Feuergefährliche Arbeiten – Richtlinien für den Brandschutz, 2009-07 (GDV). shop.vds.de ↗
  5. VdS 2047: Sicherheitsvorschriften für feuergefährliche Arbeiten, 2009-07. shop.vds.de ↗
  6. TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“, Ausgabe Februar 2020 (Abdruck auf umwelt-online.de). umwelt-online.de ↗
  7. Republic of the Marshall Islands: Marine Notice 7-041-2 „Hot Work“, Rev. März 2018 (zu IMO MSC/Circ.1084). register-iri.com ↗
  8. Liberia Maritime Authority: Marine Notice SAF-002, Prohibition of Hot Work in Tankers and Combination Carriers, Rev. 06/12. liscr.com ↗
  9. IMO Resolution MSC.581(110): Revised Recommendations for Entering Enclosed Spaces aboard Ships, 27. Juni 2025, Abs. 5.3. wwwcdn.imo.org ↗
  10. OCIMF: International Safety Guide for Oil Tankers and Terminals (ISGOTT), 6. Auflage, Verlagsbeschreibung. ocimf.org ↗
  11. Britannia P&I: Loss Prevention Guidance „Third Party Workers“, Juli 2024. britanniapandi.com ↗

Stand: 4. Oktober 2026 · Alle Links zuletzt aufgerufen am 4. Oktober 2026. Regelwerke ändern sich: Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung, die für Ihr Schiff oder Ihren Betrieb gilt.

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